17952 Days - das Ende einer Ära (?)

Fidel Castro - unbestritten eine der schillerndsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und Schlüsselfigur des lateinamerikanischen Sozialismus. Für viele noch immer das Sinnbild des Widerstands gegen amerikanischen Interventionismus, für andere der alleinige Schuldige am wirtschaftlichen Ruin Kubas. Seine Anhänger begeisterten sich am Esprit seiner Ansprachen, seine Gegner bezeichneten ihn abfällig als "Weltrekordhalter im Dauerreden". Seine Errungenschaften wie die gute medizinische Grundversorgung und ein funktionierendes Bildungssystem stehen im Kontrast zu Menschenrechtsverletzungen und einer stagnierenden Wirtschaft.

Mit der Wahl seines Bruders Raúl endete am 24. Februar 2008 seine Ära als "Comandante en Jefe" in Kuba. Nun verlässt der frühere Revolutionsführer nach 49 Jahren an der Spitze des Staates zumindest offiziell die politische Bühne; nur Königin Elisabeth II. konnte unter den aktuellen Staatsoberhäuptern eine längere Regierungszeit aufweisen. Seine Herrschaft überdauerte 47 Jahre Wirtschaftsembargo der USA, 9 (beinahe 10) amerikanische Präsidentschaften und 17 verschiedene CIA-Direktoren sowie deren politische Operationen, darunter die Schweinebucht-Invasion im April 1961, die Kuba-Krise im Oktober 1962 und mehrere Vergiftungsversuche in den 60er Jahren.

Was nach dem Rücktritt Fidel Castros bleibt, sind Fragen:

Welchen Einfluss übt Fidel Castro weiterhin auf die Politik aus oder lässt seine Krankheit keine politische Aktivität mehr zu?

Wird sein jüngerer Bruder Raúl Reformen zulassen oder den Kurs seines älteren Bruders uneingeschränkt fortführen?

Welche anderen Politiker füllen das entstandene Machtvakuum aus und welche neue politische Generation formiert sich in Kuba?

Es steht fest, dass Fidel Castros politische Handlungsfähigkeit durch die Krankheit stark eingeschränkt ist. Die letzten veröffentlichten Videoaufnahmen liegen schon mehr als ein Jahr zurück und zeigten ihn beim Besuch seines venezuelanischen Gesinnungsgenossens Hugo Chávez in deutlich reduziertem Allgemeinzustand. Nachdem er seine Amtsgeschäfte bereits Ende 2006 kommissarisch auf seinen Bruder übertragen hatte, agierte er zuletzt ausschließlich nur noch über seine wöchentliche Kolumne in der Parteizeitung.

Dennoch vermuten viele Experten, dass er auch weiterhin Einfluss auf die Politik in Kuba nehmen wird. Schließlich bleibt er als Vorsitzender der Kommunistischen Partei laut Verfassung die oberste Führungskraft im Staat. Außerdem betonte sein Bruder Raúl bei seiner Antrittsrede, dass Fidel weiterhin die Geschicke des Landes mitbestimmen wird.

Zugleich dämpfte der neue "máximo lider" die Hoffnungen auf baldige Reformen. Vielmehr forderte er von seinen Landsleuten mehr Disziplin, um die Lebensqualität im sozialistischen Kuba verbessern zu können. Vorerst erscheint ergo ein Wandel in der kubanischen Politik als sehr unwahrscheinlich.

Neuer Stellvertreter an der Spitze des Staates wird José Ramon Machado Ventura (76), ebenso ein Revolutionär von 1959, der der gleichen politischen Linie wie die Castro-Brüder angehört. Jüngere Mitglieder der Regierung wie Carlos Lage (56) oder Außenminister Felipe Pérez (42) gehören der neuen politischen Generation Kubas an. Bisher lassen sich jedoch keine Anzeichen feststellen, dass unter ihrer Leitung eine Annäherung an den Westen wahrscheinlicher werden würde.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das Land unter Raúl Castro entwickelt und ob der Widerstand gegen den Sozialismus innerhalb der kubanischen Bevölkerung nach dem Rücktritt Fidels wächst. Auch weiterhin werden die wichtigsten sozialistischen Partner Evo Morales (48) in Bolivien und Hugo Chávez (53) das Land tatkräftig unterstützen. Einschneidende Veränderungen sind also auch nach dem Ende der "17952 Days" Fidel Castros nicht zu erwarten.

25.2.08 15:07

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


rockerlilli (28.2.08 14:53)
Könnte aus dem langweiligen politischen Teil der Tageszeitung stammen, aber wenn ich weiß, dass du es geschrieben hast, dann muss ich es einfach zu Ende lesen. Du bist wirklich gut, ich weiß gar nicht, warum du nicht längst bei ner großen Zeitung angestellt bist.
Studieren kannst du auch noch nebenbei
Die Sportartikel finde ich einfacher zu lesen für eine Person, die sich nicht im geringsten für Politik und Geschichte interessiert

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