EPO und co. - die Leiden eines Sportfans


Doping, immer nur noch Doping in Zeitung, Radio und Fernsehen - ein (Un-)Wort, das den sportbegeisterten Zuschauer zusammenzucken lässt. Wie ein Nadelstich durchbohrt es die Illusion eines sauberen Sports und eines fairen Wettkampfs zwischen Athleten aus aller Welt. Zurück bleiben kleine Wunden und Narben und immer wieder die stechenden Fragen: Sind Top-Leistungen im Sport ohne Doping überhaupt möglich? Kann man den Sportlern noch vertrauen? Kann man Doping überhaupt verhindern?

Der tapfere Sportfan versucht diese Zweifel zu verdrängen. Zugegeben, Jan Ullrich und Erik Zabel waren im Sommer letzten Jahres ein schwerer Schlag, aber es gibt ja schließlich noch andere Sportarten, bei denen man die Stars uneingeschränkt bejubeln kann. Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit bieten ARD, ZDF und Eurosport an den Wochenenden stundenlange Wintersport-Live-Übertragungen.

Biathlon, wirklich faszinierend, diese Synergie aus Präzision, Konzentration, Kraft und Eleganz. Und vor allem: Gutes Schießen lässt sich nicht "erdopen"! Und wer dopt, hielt sich immer bei den Langläufern auf.

So einfach die Rechnung, bis plötzlich der Name Kaisa Varis bei den Biathletinnen auftauchte. Alarmglocken schrillen auf beim Sportfan, da war doch was! WM 2001 als Mitglied der disqualifizierten finnischen Langlaufstaffel in einen Blutdopingskandal verwickelt, WM 2003 des EPO-Missbrauchs überführt und für 2 Jahre gesperrt. Nach Ablauf der Sperre wechselte sie 2006 zum Biathlon, nachdem sie das finnische Olympische Kommitee aufgrund ihrer Dopingvergangenheit nicht für Turin 2006 nominieren wollte.

Dass eine Sportlerin nach zweimaligem Vergehen überhaupt noch starten darf, erscheint rätselhaft. Sie hatte jedoch die auferlegte Strafe abgesessen, sodass auch der beunruhigte Sportfan bei ihr nach dem Prinzip der geläuterten Sündigerin urteilen muss. Sie spielte ihre Rolle gut und sprach stets von den Fehlern der Vergangenheit, die sie hinter sich gelassen hat. Im Januar 2008 feierte sie schließlich ihren ersten Weltcup-Sieg. Konkurrentinnen, Trainer, Sportjournalisten und der Sportfan hegten sicher innerliche Zweifel aber versuchten, diesen Erfolg anzuerkennen.

Und dann wieder dieser Nadelstich: Die entnommene A- und B-Probe von Varis waren positiv. Am 11. Februar folgt die lebenslange Sperre. Wieder ein Schlag für die Glaubwürdigkeit des Sports, wieder ein Beispiel, mit welcher Heimtücke manche Athleten ihre Sportart betrügen. Und wieder die offene Frage, wie man solche Fälle verhindern kann...

Scheinbar helfen nur drakonische Strafen und vor allem keine Nachsicht mit Doping-Sündern. Lebenslange Sperre nach dem ersten Dopingfall und die Rückgabe aller gewonnenen Prämien? Traurig aber wahr, aber dies scheint wohl die einzige Möglichkeit, diesen Sumpf einzudämmen...

Bedrückend ist es, dass zwangsläufig das Thema "Doping" mittlerweile sämtliche Medien beherrscht. Als Zuschauer muss man seit den vielen positiven Befunden der letzten Jahre die Leistungen der Sportler ständig hinterfragen. Das bedingungslose "Mitfiebern" vor dem Fernseher ist vorbei und ist beklemmenden Zweifel gewichen.

Auch der Fan als unverbesserlicher Illusionist versucht weiterhin an einen reinen Sport zu glauben. Doch die Wunden werden immer zahlreicher und größer...

13.2.08 12:18

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