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Leserbrief zum Artikel "Arier im Astralleib" / SZ vom 15./16.. März 2008, S. 3.

Mit großem Interesse habe ich den Artikel „Arier im Astralleib“ von Birk Meinhardt in der Wochenende-Ausgabe gelesen. Als besonders beeindruckend empfinde ich die Gründlichkeit und Sachlichkeit, mit der der Autor den Argumenten dieser gefährlich-esoterischen Meinungsmacher entgegentritt. Es mutet schon seltsam an, wie vorsichtig Jan Udo Holey und seine Kollegen scheinbar werden, wenn man sich mit ihnen persönlich über ihre Bücher unterhalten will. Offenbar ist ihnen die Gefahr zu groß, dass sie sich dabei in ihrer abstrusen Argumentationskette irgendwo verheddern und ihre Verschwörungstheorien wie Kartenhäuser einstürzen.

Ich mache übrigens aktuell eigene Erfahrungen mit dieser Szene. Zwei Tage vor Erscheinen Ihres Artikels hatte mein Onkel mir Holeys Buch „Hände weg von diesem Buch“ ans Herz gelegt, um daraufhin mit mir (Student der Geschichte und Politik im 3. Semester) eine intensive Diskussion über die verkommene und unkritische Gesellschaft zu führen, die „mutige und neugierige“ Menschen wie Holey und seine Kollegen grundlos aburteile. Sein O-Ton zu Ihrem Artikel: „Es ist mir nicht wichtig, wie eine öffentliche Meinungsmacher-Presse einzelne, etwas mutigere Menschen in eine braune Schublade presst.“

Es ist traurig und erschütternd, wie Verschwörungstheoretiker mit ihrem bräunlich gefärbten Geschichtsbild in der heutigen Zeit so viel fruchtbaren Boden für ihre Argumente finden. Als feige und unkritisch, sowie als jemand, der blind dem Mainstream der Gesellschaft folgt, so werde ich in der Diskussion abgestempelt. Ich glaube, dass man sich mit dieser Szene kritisch auseinandersetzen muss, aber manches Mal ist es wohl das Beste, wenn man wie Birk Meinhardt den Mantel vom Haken reißt und wortlos geht.

2 Kommentare 15.4.08 20:44, kommentieren



Die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft – ein Nachruf

Was waren das noch für Zeiten!

Die DTM -  hinter diesem Kürzel verbargen sich einst hochklassige Autorennen und packende Rad-an-Rad-Duelle zwischen Motorsportgrößen wie Klaus Ludwig, Johnny Cecotto oder Keke Rosberg. Noch heute bekommen Fans Gänsehaut, wenn sie an die Blütezeit der legendären Autos  (Mercedes-Benz 190E Evo II, Ford Sierra Cosworth, Opel Calibra V6 oder Alfa Romeo 155) zurückdenken. Annähernd 50 Autos kämpften in der Blütezeit der DTM auf Deutschlands bekanntesten Rennstrecken um Zeiten und Positionen.

Dies zeichnete die DTM aus, als sie noch „Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft“ hieß. Am vergangenen Sonntag begann die neue Saison der Rennserie, die sich seit dem Jahr 2000 „Deutsche Tourenwagen Masters“ nennt. Übrig geblieben vom Glanz der alten Tage ist nicht mehr viel: Stetig fallende Zuschauerzahlen und langweilige Rennen bestimmten schon in den letzten Saisons das Fernsehbild. Auch ARD-Kommentator Philipp Sohmer setzt auf kühle Routine statt Begeisterung und Emotionen.

Zehn Audis gegen neun Mercedes kämpfen diese Saison um den Titel – keine besonders spannenden Aussichten. Seit dem gescheiterten Engagement von MG Rover 2004 und dem Ausstieg von Opel im darauf folgenden Jahr konzentriert sich das Duell ausschließlich auf die zwei verbliebenen Hersteller. Die Folge sind ungefährdete Dreifachsiege von Audi wie beim Auftaktrennen auf dem Hockenheimring: Die Rennserie droht aufgrund mangelnder Markenvielfalt in Langeweile zu versinken. Daran kann auch der allseits gefeierte Neuling Ralf Schumacher nichts ändern, der sich bei seiner Premiere als 14. passabel schlug. Viel schwerer wiegen jedoch die Abgänge von Mika Hakkinen und zuvor bereits Jean Alesi, die einen deutlichen Qualitätsverlust für die DTM bedeuteten.

Auf Dauer wird die DTM mit dem aktuellen Reglement seinen früheren Mythos nicht wieder zurückgewinnen können. Neue Hersteller und möglicherweise ein neues Reglement – vielleicht durch zwei kürzere Rennen anstatt nur einem Lauf – könnten die Rennserie aus ihrem Dornröschenschlaf wecken. So bleibt den Fans nur die Erinnerung an längst vergangene tolle Zeiten...

 

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