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13.1.10 22:51, kommentieren

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Die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft – ein Nachruf

Was waren das noch für Zeiten!

Die DTM -  hinter diesem Kürzel verbargen sich einst hochklassige Autorennen und packende Rad-an-Rad-Duelle zwischen Motorsportgrößen wie Klaus Ludwig, Johnny Cecotto oder Keke Rosberg. Noch heute bekommen Fans Gänsehaut, wenn sie an die Blütezeit der legendären Autos  (Mercedes-Benz 190E Evo II, Ford Sierra Cosworth, Opel Calibra V6 oder Alfa Romeo 155) zurückdenken. Annähernd 50 Autos kämpften in der Blütezeit der DTM auf Deutschlands bekanntesten Rennstrecken um Zeiten und Positionen.

Dies zeichnete die DTM aus, als sie noch „Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft“ hieß. Am vergangenen Sonntag begann die neue Saison der Rennserie, die sich seit dem Jahr 2000 „Deutsche Tourenwagen Masters“ nennt. Übrig geblieben vom Glanz der alten Tage ist nicht mehr viel: Stetig fallende Zuschauerzahlen und langweilige Rennen bestimmten schon in den letzten Saisons das Fernsehbild. Auch ARD-Kommentator Philipp Sohmer setzt auf kühle Routine statt Begeisterung und Emotionen.

Zehn Audis gegen neun Mercedes kämpfen diese Saison um den Titel – keine besonders spannenden Aussichten. Seit dem gescheiterten Engagement von MG Rover 2004 und dem Ausstieg von Opel im darauf folgenden Jahr konzentriert sich das Duell ausschließlich auf die zwei verbliebenen Hersteller. Die Folge sind ungefährdete Dreifachsiege von Audi wie beim Auftaktrennen auf dem Hockenheimring: Die Rennserie droht aufgrund mangelnder Markenvielfalt in Langeweile zu versinken. Daran kann auch der allseits gefeierte Neuling Ralf Schumacher nichts ändern, der sich bei seiner Premiere als 14. passabel schlug. Viel schwerer wiegen jedoch die Abgänge von Mika Hakkinen und zuvor bereits Jean Alesi, die einen deutlichen Qualitätsverlust für die DTM bedeuteten.

Auf Dauer wird die DTM mit dem aktuellen Reglement seinen früheren Mythos nicht wieder zurückgewinnen können. Neue Hersteller und möglicherweise ein neues Reglement – vielleicht durch zwei kürzere Rennen anstatt nur einem Lauf – könnten die Rennserie aus ihrem Dornröschenschlaf wecken. So bleibt den Fans nur die Erinnerung an längst vergangene tolle Zeiten...

 

1 Kommentar 15.4.08 20:45, kommentieren

Leserbrief zum Artikel "Arier im Astralleib" / SZ vom 15./16.. März 2008, S. 3.

Mit großem Interesse habe ich den Artikel „Arier im Astralleib“ von Birk Meinhardt in der Wochenende-Ausgabe gelesen. Als besonders beeindruckend empfinde ich die Gründlichkeit und Sachlichkeit, mit der der Autor den Argumenten dieser gefährlich-esoterischen Meinungsmacher entgegentritt. Es mutet schon seltsam an, wie vorsichtig Jan Udo Holey und seine Kollegen scheinbar werden, wenn man sich mit ihnen persönlich über ihre Bücher unterhalten will. Offenbar ist ihnen die Gefahr zu groß, dass sie sich dabei in ihrer abstrusen Argumentationskette irgendwo verheddern und ihre Verschwörungstheorien wie Kartenhäuser einstürzen.

Ich mache übrigens aktuell eigene Erfahrungen mit dieser Szene. Zwei Tage vor Erscheinen Ihres Artikels hatte mein Onkel mir Holeys Buch „Hände weg von diesem Buch“ ans Herz gelegt, um daraufhin mit mir (Student der Geschichte und Politik im 3. Semester) eine intensive Diskussion über die verkommene und unkritische Gesellschaft zu führen, die „mutige und neugierige“ Menschen wie Holey und seine Kollegen grundlos aburteile. Sein O-Ton zu Ihrem Artikel: „Es ist mir nicht wichtig, wie eine öffentliche Meinungsmacher-Presse einzelne, etwas mutigere Menschen in eine braune Schublade presst.“

Es ist traurig und erschütternd, wie Verschwörungstheoretiker mit ihrem bräunlich gefärbten Geschichtsbild in der heutigen Zeit so viel fruchtbaren Boden für ihre Argumente finden. Als feige und unkritisch, sowie als jemand, der blind dem Mainstream der Gesellschaft folgt, so werde ich in der Diskussion abgestempelt. Ich glaube, dass man sich mit dieser Szene kritisch auseinandersetzen muss, aber manches Mal ist es wohl das Beste, wenn man wie Birk Meinhardt den Mantel vom Haken reißt und wortlos geht.

2 Kommentare 15.4.08 20:44, kommentieren

Action um jeden Preis?

Der folgenschwere Sturz des österreichischen Skifahrers Matthias Lanzinger am vergangenen Wochenende beim Weltcup-Super-G im norwegischen Kvitfjell bewegt in diesen Tagen die alpine Skiwelt. Das traurige Schicksal des sympathischen Sportlers - die Amputation seines linken Unterschenkels nach zwei langen Operationen - hat neuerliche Diskussionen um die Sicherheit der Fahrer ausgelöst. Obwohl bei solch schwerwiegenden Gefäßverletzungen jede Minute zählt, vollzog der Transport des Gestürzten über fünf Stunden. Es stand kein Rettungshubschrauber zur Verfügung; kaum vorstellbar, dass ein Touristenhubschrauber schließlich umgebaut werden musste, um Lanzinger ins Krankenhaus nach Lillehammer fliegen zu können. Dort war man jedoch auf eine solch schwere Verletzung nicht vorbereitet, sodass er schließlich nach Oslo weiterverlegt werden musste. Der österreichische Skiverband gibt dem Ausrichter und dessen katastrophaler Organisation eine Mitschuld an der Amputation.

Der ehemalige Abfahrer Sepp Ferstl monierte, dass Skifahrer "nur noch Freiwild" seien. Dreht es sich also in der aktuellen Skiwelt nur noch um Geschwindigkeit, Action und Nervenkitzel für die Zuschauer, ohne dabei die Rücksicht auf die mögliche Gefahr für die Sportler zu nehmen? Festzuhalten bleibt: Die Liste der in dieser Saison bei einem Skiweltcuprennen gestürzten Fahrer ist lang. Im Folgenden nur eine Auswahl:

  • Aksel Lund Svindal, amtierender Weltcupgesamtsieger - tiefe Schnittwunden und Gesichtsverletzungen
  • Scott McCartney - isoliertes Schädel-Hirn-Trauma
  • Stefan Keppler - Kreuzbandriss
  • Ondrej Bank - Unterschenkelbruch
  • Patrick Hinterseer - Verletzungen der Brustwirbel
  • Andreas Buder - Schienbeinbruch.

Lanzinger Sturz bildet also leider nur einen Abschluss vieler heftiger Stürze in der aktuellen Saison. Vermehrt enden diese mit schwerwiegenden Folgen für die Fahrer.

Die "Streif" in Kitzbühel, die wohl berühmteste aber auch gefährlichste Abfahrt im Skizirkus, wurde dieses Jahr so umgebaut, dass die Fahrer teilweise bis zu 80 Meter weit sprangen. Höher, schneller, weiter, spektakulärer - im Kampf um die Gunst der Zuschauer und Sportfans scheinen die Veranstalter einem Geschwindigkeitsrausch zu verfallen. Obwohl sich die Fahrer der Gefahr ihrer Sportart bewusst sind, kritisieren sie diese Entwicklung und sehen sich als Opfer einer gefährlichen Kampagne.

Zurecht! Denn als Sportfan möchte man sich an spannenden Wettkämpfen, faszinierenden Zweikämpfen und jubelnden Siegern erfreuen und nicht andauernd das unheilvolle Brummen des Rettungshubschraubers hören. Den Veranstaltern sollte dringend bewusst werden, dass die Fahrer das höchste Gut des Skisports sind und dass mit deren Leben und Gesundheit nicht fahrlässig umgegangen werden sollte.

FIS-Chef Günter Hujara kündigte genaue Untersuchungen an, wies aber zugleich jegliche Kritik an der Rennstrecke zurück und führte den Unfall auf einen Fahrfehler zurück. Dies mag vielleicht zutreffen und gilt sicher auch für einen Großteil der folgenschweren Stürze dieser Saison, jedoch sollte sich der Skiverband dringend Gedanken machen, ob die immer anspruchsvolleren Strecken möglicherweise das Können der Fahrer überfordern.

In jedem Fall ist es bestürzend, dass erst ein Fahrer so schwer verletzt werden musste, damit sich die Organisatoren mit diesem Thema intensiver auseinandersetzen. Was auch kommen mag: für Matthias Lanzinger kommen diese Diskussionen leider zu spät!

 

1 Kommentar 5.3.08 18:27, kommentieren

17952 Days - das Ende einer Ära (?)

Fidel Castro - unbestritten eine der schillerndsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts und Schlüsselfigur des lateinamerikanischen Sozialismus. Für viele noch immer das Sinnbild des Widerstands gegen amerikanischen Interventionismus, für andere der alleinige Schuldige am wirtschaftlichen Ruin Kubas. Seine Anhänger begeisterten sich am Esprit seiner Ansprachen, seine Gegner bezeichneten ihn abfällig als "Weltrekordhalter im Dauerreden". Seine Errungenschaften wie die gute medizinische Grundversorgung und ein funktionierendes Bildungssystem stehen im Kontrast zu Menschenrechtsverletzungen und einer stagnierenden Wirtschaft.

Mit der Wahl seines Bruders Raúl endete am 24. Februar 2008 seine Ära als "Comandante en Jefe" in Kuba. Nun verlässt der frühere Revolutionsführer nach 49 Jahren an der Spitze des Staates zumindest offiziell die politische Bühne; nur Königin Elisabeth II. konnte unter den aktuellen Staatsoberhäuptern eine längere Regierungszeit aufweisen. Seine Herrschaft überdauerte 47 Jahre Wirtschaftsembargo der USA, 9 (beinahe 10) amerikanische Präsidentschaften und 17 verschiedene CIA-Direktoren sowie deren politische Operationen, darunter die Schweinebucht-Invasion im April 1961, die Kuba-Krise im Oktober 1962 und mehrere Vergiftungsversuche in den 60er Jahren.

Was nach dem Rücktritt Fidel Castros bleibt, sind Fragen:

Welchen Einfluss übt Fidel Castro weiterhin auf die Politik aus oder lässt seine Krankheit keine politische Aktivität mehr zu?

Wird sein jüngerer Bruder Raúl Reformen zulassen oder den Kurs seines älteren Bruders uneingeschränkt fortführen?

Welche anderen Politiker füllen das entstandene Machtvakuum aus und welche neue politische Generation formiert sich in Kuba?

Es steht fest, dass Fidel Castros politische Handlungsfähigkeit durch die Krankheit stark eingeschränkt ist. Die letzten veröffentlichten Videoaufnahmen liegen schon mehr als ein Jahr zurück und zeigten ihn beim Besuch seines venezuelanischen Gesinnungsgenossens Hugo Chávez in deutlich reduziertem Allgemeinzustand. Nachdem er seine Amtsgeschäfte bereits Ende 2006 kommissarisch auf seinen Bruder übertragen hatte, agierte er zuletzt ausschließlich nur noch über seine wöchentliche Kolumne in der Parteizeitung.

Dennoch vermuten viele Experten, dass er auch weiterhin Einfluss auf die Politik in Kuba nehmen wird. Schließlich bleibt er als Vorsitzender der Kommunistischen Partei laut Verfassung die oberste Führungskraft im Staat. Außerdem betonte sein Bruder Raúl bei seiner Antrittsrede, dass Fidel weiterhin die Geschicke des Landes mitbestimmen wird.

Zugleich dämpfte der neue "máximo lider" die Hoffnungen auf baldige Reformen. Vielmehr forderte er von seinen Landsleuten mehr Disziplin, um die Lebensqualität im sozialistischen Kuba verbessern zu können. Vorerst erscheint ergo ein Wandel in der kubanischen Politik als sehr unwahrscheinlich.

Neuer Stellvertreter an der Spitze des Staates wird José Ramon Machado Ventura (76), ebenso ein Revolutionär von 1959, der der gleichen politischen Linie wie die Castro-Brüder angehört. Jüngere Mitglieder der Regierung wie Carlos Lage (56) oder Außenminister Felipe Pérez (42) gehören der neuen politischen Generation Kubas an. Bisher lassen sich jedoch keine Anzeichen feststellen, dass unter ihrer Leitung eine Annäherung an den Westen wahrscheinlicher werden würde.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das Land unter Raúl Castro entwickelt und ob der Widerstand gegen den Sozialismus innerhalb der kubanischen Bevölkerung nach dem Rücktritt Fidels wächst. Auch weiterhin werden die wichtigsten sozialistischen Partner Evo Morales (48) in Bolivien und Hugo Chávez (53) das Land tatkräftig unterstützen. Einschneidende Veränderungen sind also auch nach dem Ende der "17952 Days" Fidel Castros nicht zu erwarten.

1 Kommentar 25.2.08 15:07, kommentieren

EPO und co. - die Leiden eines Sportfans


Doping, immer nur noch Doping in Zeitung, Radio und Fernsehen - ein (Un-)Wort, das den sportbegeisterten Zuschauer zusammenzucken lässt. Wie ein Nadelstich durchbohrt es die Illusion eines sauberen Sports und eines fairen Wettkampfs zwischen Athleten aus aller Welt. Zurück bleiben kleine Wunden und Narben und immer wieder die stechenden Fragen: Sind Top-Leistungen im Sport ohne Doping überhaupt möglich? Kann man den Sportlern noch vertrauen? Kann man Doping überhaupt verhindern?

Der tapfere Sportfan versucht diese Zweifel zu verdrängen. Zugegeben, Jan Ullrich und Erik Zabel waren im Sommer letzten Jahres ein schwerer Schlag, aber es gibt ja schließlich noch andere Sportarten, bei denen man die Stars uneingeschränkt bejubeln kann. Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit bieten ARD, ZDF und Eurosport an den Wochenenden stundenlange Wintersport-Live-Übertragungen.

Biathlon, wirklich faszinierend, diese Synergie aus Präzision, Konzentration, Kraft und Eleganz. Und vor allem: Gutes Schießen lässt sich nicht "erdopen"! Und wer dopt, hielt sich immer bei den Langläufern auf.

So einfach die Rechnung, bis plötzlich der Name Kaisa Varis bei den Biathletinnen auftauchte. Alarmglocken schrillen auf beim Sportfan, da war doch was! WM 2001 als Mitglied der disqualifizierten finnischen Langlaufstaffel in einen Blutdopingskandal verwickelt, WM 2003 des EPO-Missbrauchs überführt und für 2 Jahre gesperrt. Nach Ablauf der Sperre wechselte sie 2006 zum Biathlon, nachdem sie das finnische Olympische Kommitee aufgrund ihrer Dopingvergangenheit nicht für Turin 2006 nominieren wollte.

Dass eine Sportlerin nach zweimaligem Vergehen überhaupt noch starten darf, erscheint rätselhaft. Sie hatte jedoch die auferlegte Strafe abgesessen, sodass auch der beunruhigte Sportfan bei ihr nach dem Prinzip der geläuterten Sündigerin urteilen muss. Sie spielte ihre Rolle gut und sprach stets von den Fehlern der Vergangenheit, die sie hinter sich gelassen hat. Im Januar 2008 feierte sie schließlich ihren ersten Weltcup-Sieg. Konkurrentinnen, Trainer, Sportjournalisten und der Sportfan hegten sicher innerliche Zweifel aber versuchten, diesen Erfolg anzuerkennen.

Und dann wieder dieser Nadelstich: Die entnommene A- und B-Probe von Varis waren positiv. Am 11. Februar folgt die lebenslange Sperre. Wieder ein Schlag für die Glaubwürdigkeit des Sports, wieder ein Beispiel, mit welcher Heimtücke manche Athleten ihre Sportart betrügen. Und wieder die offene Frage, wie man solche Fälle verhindern kann...

Scheinbar helfen nur drakonische Strafen und vor allem keine Nachsicht mit Doping-Sündern. Lebenslange Sperre nach dem ersten Dopingfall und die Rückgabe aller gewonnenen Prämien? Traurig aber wahr, aber dies scheint wohl die einzige Möglichkeit, diesen Sumpf einzudämmen...

Bedrückend ist es, dass zwangsläufig das Thema "Doping" mittlerweile sämtliche Medien beherrscht. Als Zuschauer muss man seit den vielen positiven Befunden der letzten Jahre die Leistungen der Sportler ständig hinterfragen. Das bedingungslose "Mitfiebern" vor dem Fernseher ist vorbei und ist beklemmenden Zweifel gewichen.

Auch der Fan als unverbesserlicher Illusionist versucht weiterhin an einen reinen Sport zu glauben. Doch die Wunden werden immer zahlreicher und größer...

1 Kommentar 13.2.08 12:18, kommentieren